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DARWIN PHILOSOPHIE

1. Stichworte zur Konzeption:
Phänomenologischer Ausgangspunkt:
Die intermediale Verdrängung des Dialekts
oder: Sprachnivellierung im globalen Dorf:
Im digitalen Garn der globalen Netze verkommt das Andere, das Einzigartige,
es wird zum Stärfaktor. Die Individualität und Regionalität des Sprechens wird zum vernachlässigbaren Rest herabgesetzt. Die zunehmende Nivellierung und Vereinheitlichung der Sprache läßt den Dialekt langsam Verschwinden.

2. Die Not der Notlosigkeit:
"Lieber eine trostlose Analyse in einer glücklichen Sprache als eine optimistische Analyse in einer unglücklichen, vor Langeweile trostlosen und vor Geistlosigkeit entmutigenden Sprache ... " (Jean Baudrillard) Scheinbar gab es zu keiner Zeit so viele regionale Musikproduktionen wie heute.
Jedes Alpental hat seine eigene Erfolgsformation. Allein die Sprache der Lieder ist so unterschieldlich wie die
touristische Architektur. Alle singen sie dieselbe populär-alpine Kunstprache. Dieser volkstümliche Alpenjargon scheint die einzige salon- bzw. sendefähige Alternative zu Schlagerdeutsch und Allerweltsenglisch zu sein. Der volkstümlichen Kolonialisierung der Alltagssprache, dem Zwang zur Nivellierung und Vereinheitlichung hat der Dialekt wenig entgegenzusetzen. Er wird den funktionalistischen Kriterien der Kompatibilität, Universalität und Programmierbarkeit nicht gerecht. Aus der Sicht des Programmierers sind Dialekte ein Unglück. Aus der Perspektive der Sprache selbst sind sie in ihrem Reichtum und ihrer Einzigartigkeit ein Segen. Aus der Verschiedenheit wächst der ihnen eigene Zauber, gerade durch ihre Andersheit sind sie zutiefst miteinander verschworen. Der wahre Fluch ist es, wenn wir zur universellen Sprachprogrammierung verdammt sind, zu einer "wahren Kuppelei der Kommunikation, die im Gegensatz steht zur magischen Illusion der Alterität" (Baudrillard). Der Dialekt wird Opfer der "großen Kreuzspinne im Knoten des Weltall-Netzes" (Nietzsche), die alles zerspinnt. Das darwinistische "survival of the fittest" wird im Zeitalter der quotengelenkten Hitradios zum zynischen Leitspruch der Branche. Eigentliche Dialektproduktionen gelten als unprofessionell, provinziell und die medialen Bedingungen machen daraus eine self-fulfilling prophecy:
medial verdrängt sind Dialektproduktionen eine aussterbende Spezies oder zumindest ein Pflegefall. †berlässt man den Dialekt seinen antiquarischen Pflegern, so verstaubt er, "weil ihn das frische Leben der Gegenwart nicht mehr beseelt" (Nietzsche).

3. Projektkonzeption:
Die Auseinandersetzung mit Mundart hat kein "antiquarisches Interesse". Der Dialekt ist für uns mehr als ein trendiger "Effekt an sich", mehr als bloße Dekoration, denn "aller Schmuck vesrteckt das Geschmückte (Nietzsche)". Die Sprache mit ihren wunderschänen Triphthongen klingt unheimlich musikalisch. Die Lieder erschließen dem Härer sowohl musikalisch als auch textlich eine kleine Welt. Es sind einfühlsame, kitschfreie Protraits von Menschen, wie sie uns zunächst und zumeist begegnen, nämlich in ihrer alltäglichen Suche nach Kontakt, Liebe, Glück.